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Bassolo — Rezension in Ruch Muzyczny
Krzysztof Kwiatkowskis Rezension in Ruch Muzyczny über das Doppelalbum Bassolo — XX/XXI Centuries’ Contrabass Music, erschienen bei DUX.
Krzysztof Kwiatkowskis Rezension, erschienen in Ruch Muzyczny Nr. 15 am 24. Juli 2011, behandelt das bei DUX veröffentlichte Doppelalbum Bassolo — XX/XXI Centuries’ Contrabass Music.
Verifizierte Transkription auf Grundlage des Pressescans.
Ruch Muzyczny, Nr. 15/2011 — Scan der Rezension
„…selbst die brutalsten und ‚hässlichsten’ Klänge bereiten physisches Vergnügen.“
„…in seinem Spiel wird ein ausgezeichnetes Gespür für ihre akustische Natur hörbar.“
„…der Musiker bringt sich mit voller Überzeugung ein, ohne jede Distanz.“
„Gabryś gehört ohnehin zu jenen Interpreten, denen man um ihrer selbst willen zuhören kann.“
Bassolo — Rezension in Ruch Muzyczny
Deutsche Übersetzung
BASSOLO
Gabryś, Szalonek, Bogusławski, Cage, Grisey, Lauck, Dziadek, Roth, Scelsi, Oehring, Pritchard, Knüsel, Lee, Iršaj, Xenakis
Aleksander Gabryś — Kontrabass, Symphonieorchester der Schlesischen Philharmonie, Dir. Czesław Grabowski, Camerata Impuls, Dir. Małgorzata Kaniowska, Consuelo Giulianelli — Harfe, Jürg Henneberger, Daniel Buess — Klavier
Dux 0800/0801 (2010, 2 CDs)
Aleksander Gabryś ist ein herausragender Künstler: nicht nur ein Kenner der Geheimnisse des zeitgenössischen Kontrabasses mit einem Repertoire von mehreren hundert Werken, sondern auch ein Musiker, der durch die Kraft seines Engagements für die aufgeführten Stücke beeindruckt. Damit hebt er sich von der kühlen Eleganz ab, die in hochwertigen Aufführungen Neuer Musik häufig dominiert. Verschiedene Arten von Flageoletts, extrem hohe doppelte Glissandi jenseits des Griffbretts (wie in Xenakis’ Theraps) und gewaltige Intervallsprünge klingen in seiner Interpretation überzeugend, nicht nur weil Gabryś die Technik hervorragend beherrscht, sondern auch weil in seinem Spiel ein ausgezeichnetes Gespür für ihre akustische Natur hörbar wird. Dadurch bereiten selbst die brutalsten und „hässlichsten” Klänge physisches Vergnügen. Seine Fähigkeiten wurden sowohl von führenden europäischen Ensembles (u.a. Ensemble Modern, Klangforum Wien), mit denen der polnische Kontrabassist spielt, als auch von vielen Komponisten gewürdigt, die ihm Werke gewidmet haben.
Das von DUX veröffentlichte Album besteht aus zwei CDs: Die erste beginnt mit Ryszard Gabryś’ An die Freude. Der Komponist ist der Vater des Kontrabassisten, der in diesem Werk auch singt, rezitiert und verschiedenste Laute hervorbringt. Wie in mehreren weiteren Kompositionen dieses Albums bringt sich der Musiker in diese vokalen „Aktionen” mit voller Überzeugung ein, ohne jede Distanz, ganz im Sinne der Erwartungen der Komponisten.
Die nächsten drei Werke sind für Kontrabass mit Orchester bestimmt. Auch die Orchesterpartien in Witold Szaloneks Musica concertante per violbasso e orchestra (1977) enthalten zahlreiche unkonventionelle Effekte, die auf verschiedenen Instrumenten erzeugt werden, vor allem auf Blasinstrumenten: ausgedehnte Cluster stehen neben harmonisch klar umrissenen Fragmenten. In Edward Bogusławskis Concerto-Fantasia (1999) kann man den Solisten in langen Kadenzen bewundern, während Ryszard Gabryś’ Il cicerone eine Art Klangtheater ist, das eine Reise durch die Kanäle Venedigs darstellt.
Auf der zweiten CD finden sich elf Werke ausländischer Komponisten und ein polnisches Werk — Andrzej Dziadeks Dla Aleksandra (2009). Darunter sind klassische Positionen des zeitgenössischen Kontrabassrepertoires wie Giacinto Scelsis C’est bien la nuit und das bereits erwähnte Theraps. Es ist ein wahres Fest für den Hörer, doch auch mehrere andere Werke ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, etwa IYON – passage, das einzige Stück der CD mit Elektronik (transformierten Kontrabassklängen), von „philosophischer” Stimmung und großer klanglicher Schönheit. In zwei Kompositionen treten andere Instrumente zum Solisten hinzu: zwei Pianisten an einem Klavier in Griseys frühem (1968) Échanges und Harfe in Gwyn Pritchards Music for Double Bass and Harp, in dem der Kontrabass bisweilen zart und ätherisch klingt.
Auch in jedem der übrigen Werke dieser CD lässt sich etwas Interessantes finden — Gabryś gehört ohnehin zu jenen Interpreten, denen man um ihrer selbst willen zuhören kann. Erwähnenswert ist außerdem, auch wenn es nicht das Wichtigste ist, die schöne Gestaltung des Covers.
Krzysztof Kwiatkowski