Aleksander Gabryś

Aleksander Gabryś

Komponist und Solo-Kontrabassist aus Oberschlesien, in Basel lebend und arbeitend.

  • Komponist
  • Solo-Kontrabassist
  • Performer
  • transdisziplinärer Künstler

Komponist und Solo-Kontrabassist an den Schnittstellen von zeitgenössischer Musik, instrumentalem Theater, Live-Elektronik, Film und polymedialen Formen.

Für Programme, Festivals, Ensembles, Kuratorinnen und Kuratoren sowie Presse.

Aleksander Gabryś ist ein polnisch-schweizerischer Komponist und Solo-Kontrabassist mit Lebensmittelpunkt in Basel. Geboren in Oberschlesien und in Katowice aufgewachsen, studierte er an der Karol-Szymanowski-Musikakademie in Katowice und später an der Musik-Akademie Basel, wo er seit 1999 lebt. Seit 2001 arbeitet er kontinuierlich mit Ensemble Phoenix Basel als Solo-Kontrabassist. Seine Praxis verbindet zwei eng verwandte Felder: Komposition, die häufig in Richtung Bühne, Medien und paratheatraler Formen geht, und die Interpretation zeitgenössischer Kontrabassliteratur. Seine Werke umfassen instrumentale, vokale, orchestrale, elektronische und bühnenbezogene Formen. Als Kontrabassist hat er ihm gewidmete Werke uraufgeführt und mit Ensembles wie Klangforum Wien, Ensemble Modern, Ensemble Phoenix Basel und Ensemble Contrechamps gearbeitet. 2020 wurde er an die Stanford University / CCRMA eingeladen.

Biografie

Komponist

Als Komponist schreibt Gabryś instrumentale, vokale, orchestrale, elektronische und bühnenbezogene Werke. Seine Musik überschreitet häufig das traditionelle Konzertformat und verbindet Live-Performance mit Elektronik, Raum, Video, Text, Geste und Elementen des Paratheaters.

Mit Basel, seiner Wahlstadt, verbunden sind unter anderem Bas-el-Karneval, Bas-El und Basilesia für das Vokalensemble Camerata Silesia. Zu seinen Werken gehören auch Donquixoterie, elUle, Bestiarium – Fortune Square trio tripSinfAct, Walser Code, metAtem, BASSBOXTRING, PrāṇāhTron, 2-Pol-Run, ILINX, PARTITURA, Natural Born Rebels, MANIFESTO PLAYBOX, nevermore und ±∞.

Kontrabassist

Als Kontrabassist ist Gabryś eng mit zeitgenössischer Musik und der Erweiterung des Repertoires seines Instruments verbunden. Mehr als hundert Werke wurden für ihn als Solo-Kontrabassisten geschrieben und ihm gewidmet, darunter Solostücke und Konzerte mit Orchester oder Ensemble.

Zu den Komponistinnen und Komponisten, die für ihn geschrieben haben oder deren Werke er uraufgeführt hat, gehören Ryszard Gabryś, Helmut Oehring, Ulrich Krieger, Douglas McCausland, Edward Bogusławski, Thomas Kessler, Krzysztof Knittel, Junghae Lee, Michel Roth, Nicolas Tzortzis, Erik Ulman, Aram Hovhannisyan, Jevgenij Iršai, Ryszard Klisowski, Piotr Radko, Thomas Wally, Emre Sihan Kaleli und Zbigniew Karkowski.

Paratheater / Bühne / Medien

In vielen Werken und Solo-Auftritten ist eine paratheatralische Dimension präsent. Musik erscheint als verkörperte Handlung, Klangtheater oder Ein-Personen-Drama, in dem die körperliche Präsenz des Musikers auf der Bühne Teil der Form wird.

Dieses Feld verbindet Komposition, Interpretation, Absurdität, Ritual, Literatur und die sichtbare Anstrengung des Spielens. Live-Elektronik, Film, Tonband, Text und kreatives Mischen erscheinen als Materialien einer grösseren Bühnensituation.

Uraufführungen und Widmungen

In seiner Tätigkeit als Interpret führte Gabryś Gérard Griseys Échanges für Kontrabass und Klavier beim Festival Warschauer Herbst urauf.

Das Werk war lange als Manuskript erhalten, bevor es durch diese Aufführung in das öffentliche Musikleben eintrat. Ausserdem spielte er Klaus Hubers Kontrabasskonzert, Erinnere dich an G., mehrfach, unter anderem mit Ensemble Contrechamps in Genf. Diese Arbeit verbindet seine Kontrabasspraxis mit der Entstehung und Weitergabe neuen Repertoires, nicht nur mit dessen Interpretation.

Ensembles und Zusammenarbeit

Als Solist trat Gabryś unter anderem mit Gidon Kremer und Kremerata Baltica sowie mit Orchestern und Ensembles auf, darunter das ehemalige SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, das Sinfonieorchester Wuppertal, das Sinfonieorchester Basel, die Filharmonia Zielonogórska, Camerata Impuls, die Kammerakademie Potsdam, die Filharmonia Śląska, die Śląska Orkiestra Kameralna sowie NOSPR — Narodowa Orkiestra Symfoniczna Polskiego Radia in Katowice.

Im kammermusikalischen Bereich trat er zudem mehrfach im Quintett mit der Cellistin Sol Gabetta auf.

Als Solist und Ensemblemusiker arbeitete er über viele Jahre mit dem Ensemble Phoenix Basel, Klangforum Wien und Ensemble Modern zusammen und trat zudem als Gast mit dem Collegium Novum Zürich sowie, über einen Zeitraum von rund 20 Jahren, mit dem österreichischen ensemble für neue musik Salzburg auf. Seine Zusammenarbeit mit dem Collegium Novum Zürich reichte von 2001 bis 2026; zuletzt umfasste sie im Februar 2026 die Uraufführung von Heinz Holligers «Doppelspiegel» unter der Leitung des Komponisten, neben György Kurtágs «Schatten» für Kontrabass und Klavier und Sándor Veress’ «Memento» für Kontrabass und Viola. Im Sommer 2010 gründete er als eingeladener Gast des Abschlusskonzerts der Darmstädter Ferienkurse das Trio Basso, mit dem er in der Orangerie Darmstadt und im Grossen Haus des Staatstheaters Darmstadt auftrat. Seine Konzerttätigkeit führte ihn durch weite Teile Europas und auf beide amerikanischen Kontinente; genannt werden unter anderem Wien, Amsterdam, Zürich, Paris, Moskau, New York, Buenos Aires, São Paulo, San Francisco, Kapstadt, Montevideo, Tbilisi, Warschau, Nairobi, Göteborg, Berlin, Rom, Zagreb, Sarajevo und Novi Sad sowie La Biennale di Venezia, MaerzMusik, Ultraschall Berlin, Wien Modern und Warschauer Herbst.

Aufnahmen

Seine Aufnahmen machen sowohl seine solistische Kontrabassarbeit als auch seine langjährige Beschäftigung mit zeitgenössischer Kammermusik wieder zugänglich. Das Doppelalbum Bassolo. XXth & XXIst Centuries' Contrabass Music präsentiert moderne und zeitgenössische Musik für Kontrabass.

Gabryś erscheint ausserdem auf Aufnahmen mit Ensemble Phoenix Basel, Klangforum Wien und weiteren Ensembles, in Repertoire von Giacinto Scelsi und Bernhard Lang bis zu polnischer und Schweizer Gegenwartsmusik.

Lehrtätigkeit

2020 wurde Gabryś an die Stanford University in Kalifornien eingeladen, wo er einen Kurs in Performance und Komposition leitete und ein Solo-Recital am CCRMA präsentierte.

Dieser Lehrkontext spiegelt einen wiederkehrenden Aspekt seiner Arbeit: die Überschreitung der Grenzen zwischen Interpret und Komponist, Notation und Improvisation, Instrument und Körper, Konzert und Theater.

Aktuelle Arbeiten

Zu den jüngeren grossformatigen Werken gehören Die Beelzebub Sonate, frei nach einem Stück von Stanisław Ignacy Witkiewicz, und Rio, mein Rio, ein Konzert für Solo-Kontrabass und Ensemble.

Rio, mein Rio wurde am 13. Dezember 2025 im Gare du Nord Basel mit Ensemble Phoenix Basel unter der musikalischen Leitung von Jürg Henneberger uraufgeführt, mit Gabryś als Kontrabasssolist. Das Werk steht neben literaturbezogenem Musiktheater und paratheatraler Bühnenarbeit in der aktuellen Gestalt seiner Praxis.

Musik als Situation

Das künstlerische Profil von Gabryś ist nicht nur eine Folge von Rollen. Es ist ein Arbeitsfeld, in dem Komposition, Interpretation, szenisches Handeln und instrumentale Identität einander beeinflussen.

Klang erscheint hier zusammen mit Körper, Geste, Raum und Risiko. Humor und Absurdität können neben rituellem Ernst stehen; der Kontrabass kann zu einer dramatischen Präsenz, einem Körper auf der Bühne und zeitweise zum Protagonisten der Situation werden.

Stationen der künstlerischen Praxis

  1. Komposition als Situation

    Gabryś behandelt Komposition oft nicht nur als Notenschrift, sondern als Konstruktion musikalischer, theatraler, physischer und sozialer Situationen.

  2. Kontrabass als Protagonist

    Seine Arbeit mit dem Kontrabass stellt das Instrument in solistische, dramatische, konzertante und theatrale Situationen.

  3. Paratheater und verkörperter Klang

    Geste, Stimme, Bühnenpräsenz und körperliche Handlung erscheinen als strukturelles Material, nicht als Dekoration um die Musik.

  4. Live-Elektronik und Medien

    Live-Elektronik, Tonband, Video, Text und Medienformen kehren von frühen Tonbandstücken bis zu späteren polymedialen Werken wieder.

  5. Basel / Basilesia / Bas-el

    Basel und Schlesien bilden ein wiederkehrendes Feld von Ort, Sprache und Identität in Werken wie Bas-el-Karneval, Bas-El und Basilesia.

  6. Uraufführungen und Widmungen

    Gewidmete Werke, Uraufführungen und neues Repertoire, verbunden mit seiner Arbeit als Kontrabassist.

  7. Ensembles und Zusammenarbeit

    Seine Tätigkeit führt durch Ensemble Phoenix Basel, Klangforum Wien, Ensemble Modern, Ensemble Contrechamps und weitere Kontexte der zeitgenössischen Musik.

  8. Aufnahmen und Hörwege

    Bassolo und Ensemble-Aufnahmen halten seine solistische und kammermusikalische Arbeit zum Wiederbesuchen offen.

Ausgewählte Werke

Tonband, instrumentales Theater, Bühnenlicht und frühe elektronische Situationen.

  • Miniaturen für Kontrabass und Computerklänge 1990
  • Voak gefeustich 1992
  • Święty Boże 1993
  • Quadrofonietta 1996
  • Man in Fish 1999

Solistische, theatrale und konzertante Situationen für Kontrabass.

  • Patrix 2001
  • Jekyll-Hyde 2004
  • BASSBOXTRING 2019
  • Bas-el-Karneval 2000
  • Bas-El 2006
  • Basilesia 2019
  • 2-Pol-Run 2015

Musiktheater, Film, Medien, kreatives Mischen und verkörperte Performance.

  • Donquixoterie 2008
  • elUle 2010
  • Bestiarium – Fortune Square trio tripSinfAct 2013
  • meƚAƚɘm 2014
  • Walser Code 2016
  • PrāṇāhTron 2015
  • ILINX 2017
  • MANIFESTO PLAYBOX 2020

Neuere grossformatige Werke.

  • Die Beelzebub Sonate 2021
  • Rio, mein Rio 2025
Weiteres Werkfeld